Pressemitteilung vom 25.11.2021

Pressemitteilung vom 25.11.2021

Neue »Stewardship-Gesellschaft« will Zusammenspiel von Familienunternehmen und externen Managern verbessern

  • Unabhängiges Netzwerk von und für familienexterne Top-Führungskräfte und Beiräte von Familien- und Stiftungsunternehmen
  • 16-köpfige Kommission aus Top-Managern erarbeitet „Kodex der Unternehmensleitung von Familien- und Stiftungsunternehmen“ (KUFS)

Familienunternehmen sind das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: rund 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland und fast die Hälfte der Unternehmen mit über 50 Millionen Euro Umsatz sind – z. T. seit mehreren Generationen – im Familienbesitz. Die operative Verantwortung für ihr Unternehmen (oder Teilbereiche) haben die Eigentümer jedoch häufig in die Hände familienexterner Führungskräfte gelegt. Dabei stellen die Eigentümerfamilien sehr hohe Anforderungen an externe Manager und Beiräte und erwarten neben exzellenten Führungsqualitäten eine hohe Identifikation mit ihrem Unternehmen, Respekt für das Erreichte, Loyalität und Integrität.

Die im Frühjahr 2021 gegründete Stewardship-Gesellschaft stellt als erste Organisation ihrer Art die Arbeit von externen Managern in Familienunternehmen in den Mittelpunkt ihres Handelns. Sie bietet eine Plattform für diejenigen, die im Spannungsfeld von Eigentümerfamilien, Unternehmen und Unternehmensleitung bereits erfolgreich sind oder sich dort etablieren wollen. Über dieses Netzwerk identifiziert, thematisiert und adressiert die Stewardship-Gesellschaft konkrete
Herausforderungen und Themen, um den langfristigen Erfolg von Familienunternehmen zu unterstützen. Ziel der Stewardship-Gesellschaft ist, auf beiden Seiten das Bewusstsein für die Herausforderung einer Zusammenarbeit zu schaffen und das Miteinander zum langfristigen Wohl des Unternehmens weiter zu verbessern.

„Die Zusammenarbeit von Unternehmern und familienexternen Managern ist häufig entweder langfristig erfolgreich oder funktioniert überhaupt nicht. Bei einem Scheitern fehlt mitunter auf beiden Seiten das tiefe Verständnis für diese besondere Konstellation und das Gegenüber“, sagt Dr. Marc Konieczny, Mitgründer der Stewardship-Gesellschaft. Dazu Dr. Marc Viebahn, ebenfalls Initiator der Stewardship-Gesellschaft: „Mit der Stewardship-Gesellschaft wollen wir besser verstehen, was den langfristigen Erfolg ausmacht. Dabei bieten wir Führungskräften, die nicht zur Eigentümerfamilie gehören, neben dem Austausch von Erfahrungen auch ganz konkrete Hilfestellungen für ein erfolgreiches Zusammenspiel mit den Eigentümern.“

Als erstes Arbeitsergebnis hat die Stewardship-Gesellschaft einen Kodex der Unternehmensleitung von Familien- und Stiftungsunternehmen (KUFS) formuliert. Der Kodex entstand im Herbst 2021 in Zusammenarbeit mit 16 Vorstandsvorsitzenden, Geschäftsführern und Beiräten von Familien- und Stiftungsunternehmen. Anhand von fünf Leitlinien bietet er eine praxisnahe Orientierungshilfe, ist Ratgeber und liefert Denkanstöße für die Zusammenarbeit. Zudem dient er als Anregung für ein Wertegerüst heutiger und zukünftiger Führungskräfte, die nicht der Familie entstammen. Somit ergänzt er als Executive Governance die Corporate Governance und die Family Governance der Unternehmerfamilien.

„Externe Führungskräfte sind Vermittler zwischen dem Unternehmen und der Eigentümerfamilie. Sie sind den Zielen der Eigentümer verpflichtet, müssen aber ihre Unabhängigkeit bewahren, um verantwortungsvoll im Interesse aller Beteiligten zu handeln“, sagt Heinz-Walter Große, ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Familienunternehmens B. Braun und Mitglied der Kodex-Kommission. „Eine professionelle Governance der Managerinnen und Manager, die den Eigentümern, Mitarbeitern, Kunden und den Standorten verpflichtet ist, sichert langfristig den Unternehmenserfolg. Das in dem vorgelegten Kodex verfasste Selbstverständnis familienexterner Führungskräfte ist Ausdruck eines hohen Anspruchs an die eigene Person.“

Der Kodex-Kommission gehören folgende Persönlichkeiten an:

  • Rainer Berthan, Vorstandsvorsitzender der Bauerfeind AG
  • Dirk Barnard, ehemaliges Mitglied des Vorstandes der Unternehmensgruppe Theo Müller und der Schwarz Gruppe
  • Thomas Borst, Aufsichtsrat, Beirat und ehemaliger CSO der ebm-papst Gruppe
  • Mike Bucher, Vorstandsvorsitzender der Schöck AG
  • Prof. Dr. Birgit Felden, Aufsichtsrätin, Vorstand von ArMiD e.V.
  • Prof. Dr. Heinz-Walter Große, ehemaliger Vorstandsvorsitzender B. Braun
  • Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, CEO der Biotronik SE & Co. KG
  • Dr. Marc Konieczny, Geschäftsführender Gesellschafter der Interconsilium GmbH & Co. KG, Aufsichtsrat der Snoopstar GmbH, Beirat-BW e.V.
  • Prof. Dr. Claudia Leimkühler, Hochschullehrerin, Beirätin Merz Holding GmbH & Co. KG
  • Dr. Matthias Metz, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Zwiesel Kristallglas AG
  • Andreas Ronken, CEO der Alfred Ritter GmbH & Co. KG
  • Dr. Christoph Schücking, Stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats der Freudenberg SE
  • Dagmar Steinert, CFO der Fuchs Petrolub SE, Mitglied des Aufsichtsrats ZF Friedrichshafen AG
  • Melanie Thomann-Bopp, Geschäftsführung Nolte Küchen & Express Küchen GmbH & Co. KG, Mitglied des Aufsichtsrats der Hornbach Baumarkt & Hornbach Holding AG
  • Dr. Marc Viebahn, Geschäftsführender Gesellschafter der Interconsilium GmbH & Co. KG
  • Suzanne Wahab, Konzerngeschäftsführung Familienunternehmen

Nach dem Kodex wird die Stewardship-Gesellschaft nun weitere relevante Themen aufarbeiten, im Dialog erarbeiten und Handlungsempfehlungen anbieten. Im kommenden Jahr ist geplant, zum einen die Rolle, Relevanz und Arbeit von Beiräten in Familienunternehmen und zum anderen die Innovationskraft von Familienunternehmen näher zu betrachten. Die Leitung der Stewardship-Gesellschaft übernehmen Dr. Marc Konieczny und Dr. Marc Viebahn.

PRESSEKONTAKT
Nicolas Nonnenmacher,

Warum „Stewardship“?

Warum „Stewardship“?

Warum nennt sich die Stewardship-Gesellschaft eigentlich Stewardship-Gesellschaft? Hier erfahren Sie die Hintergründe.

Lange Zeit wurde in der Beziehung zwischen Unternehmer und familienexternem Management ein inhärenter Interessenskonflikt vermutet – im wissenschaftlichen Bereich ist dies als »Prinzipal-Agent-Konflikt« bekannt. Der Manager verhalte sich strikt opportunistisch und sei nur durch äußere Anreize zu motivieren. Daher seien strikte Kontrollstrukturen und ausgefeilte Anreizsysteme notwendig. Der Begriff des »Fremdmanagers« drückt dies entsprechend aus.

Im Kontrast dazu hat sich seit den 1990er Jahren die Stewardship-Perspektive entwickelt. Sie geht davon aus, dass die Ziele von Inhabern und Managern kongruent sein können. Manager verhalten sich demnach eben nicht rein opportunistisch, sondern haben selbst ein Interesse, sich im Sinne des Unternehmens zu verhalten, und unterstützen dieses von sich aus. Vertrauen und Akzeptanz zwischen Inhaber und Management treten an die Stelle von Misstrauen. Vor diesem Hintergrund sind die Governance-Strukturen nicht mehr als Kontrollstrukturen, sondern vielmehr als Unterstützung zu interpretieren. Das Management erhält weiträumige Entscheidungsspielräume.

Zusätzlich steht der Begriff des »Stewardships« für Langfristigkeit, Sorgsamkeit und die Aufgabe die Unternehmen im besten Sinne treuhänderisch für kommende Generationen zu entwickeln. Hier treffen sich die Perspektiven der Inhaber und der familienexternen Führungskräfte. Die Inhaber entwickeln das Unternehmen für die zukünftigen Eigentümergenerationen. Die familienexternen Vorstände und Geschäftsführer sichern die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auch dadurch, dass sie die nächste Generation von Führungskräften fördern und entwickeln. Alle haben gemeinsam den Anspruch, zum Ende ihrer Tätigkeit ein leistungs- und zukunftsfähiges Unternehmen zu übergeben.

Die Mitglieder der Stewardship-Gesellschaft teilen genau diese Grundeinstellung und Interessen. Durch ihre Vorgehensweise (die drei I: Insights, Interaction und Impact) fördert die Stewardship-Gesellschaft das Ziel eines optimalen Miteinanders zum langfristigen Wohle des Unternehmens. Dieser Stewardship-Leitgedanke ist in dem von den Kommissionsmitgliedern erstellten Verhaltenskodex für familienexterne Führungskräfte in Familienunternehmen verankert. Daher ist es nur folgerichtig, die gemeinsame Plattform auch »Stewardship«-Gesellschaft zu nennen.